Grażyna Jurkowlaniec



Adjunct professor am Institut für Kunstgeschichte an der Universität Warschau (Polen)

Aufenthalt am Forschungskolleg Humanwissenschaften:
August 2017

Forschungsthema am Forschungskolleg Humanwissenschaften:
»Das illustrierte Buch im 16. Jahrhundert: getrennte und gemeinsame Wege der christlichen Ikonographie nach der Reformation«

Projektbeschreibung:
»Das illustrierte Buch im 16. Jahrhundert: getrennte und gemeinsame Wege der christlichen Ikonographie nach der Reformation«

Die Bedeutung des Mediums Graphik für die Verbreitung von Bildschemata ist bereits gut erforscht, auch die Frage der Anwendung von Bildern in Katechese und verwandten Formen der Auslegung der jeweiligen Glaubenslehre wurde oft in der Literatur erörtert. Eine eingehendere Analyse verdienen die Situationen, in denen sich analoge, manchmal sogar von gleichen Holzstöcken gedruckte Szenen in verschiedenen konfessionellen Zusammenhängen wiederholen, was die Frage nach den Grenzen der Einsetzbarkeit von Bildern beim Aufbau der konfessionellen Identifikation aufwirft.

Die Bildschemata verbreiteten sich oft durch Abzüge vom selben Holzstock in ein und demselben Buch oder in verschiedenen Büchern ein und desselben Verlegers. Nicht selten wurden die Druckstöcke ausgeliehen oder weiterverkauft und kursierten so zwischen verschiedenen Offizinen. Als Beispiel sei hier die allegorische Darstellung der von ihren Widersachern bedrohten Kirche genannt, wie man sie auf vielen Frontispizen der Streitschriften von Hieronymus Dungersheim, eines der Gegner der Reformation, sehen kann, die im ersten Drittel des 16. Jh. von verschiedenen Leipziger Verlagen herausgebracht wurden. In einem dieser Werke, der Confutatio apologetici cuiusdam aus dem Jahre 1514, befand sich außerdem auf der Rückseite des Titelblattes eine Darstellung des Schmerzensmanns als Quelle der Sieben Sakramente. Dass diese Darstellung in katholischen Kreisen verbreitet war, scheint durchaus verständlich zu sein, es macht aber schon nachdenklich, wenn sie auf den Titelblättern von Luthers Werke erscheint. Das Repertoire von Illustrationen in den veröffentlichten Büchern ergab sich oft aus den zugänglichen Druckformen, die nicht immer ideal zu dem jeweiligen Kontext passten. Selbstverständlich kann man auch bei illuminierten Handschriften eine Wiederholbarkeit von Bildschemata beobachten, dennoch musste jede Illustration letztendlich separat gemalt werden, wobei man die Ausgangsformeln korrigieren und ergänzen konnte. Bei Illustrationen, die von Holzstöcken gedruckt wurden, waren Korrekturen nur beschränkt möglich. Da jede Änderung an der Form eines Holzstocks unumkehrbar war, wurden solche Korrekturen nur in Ausnahmefällen vorgenommen, wofür das Septembertestament das berühmteste, aber nicht das einzige Beispiel ist. (Grażyna Jurkowlaniec)

Zusammenarbeit:
Grażyna Jurkowlaniec folgt einer Einladung von Luise Schorn-Schütte, Professorin em. für Neuere Allgemeine Geschichte unter besonderer Berücksichtigung der Frühen Neuzeit.

Wissenschaftliches Profil von Grażyna Jurkowlaniec


Grażyna Jurkowlaniec ist gegenwärtig Prodekanin für Finanzen und Forschung des Historischen Fakultät an der Universität Warschau. Darüber hinaus ist sie unter anderem Mitglied der Jury des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Stiftung für die polnische Wissenschaft (FNP) verliehenen Copernicus-Preises.

Homepage:
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Forschungsschwerpunkte:
Kunst- und Kulturzusammenhänge im Europa der frühen Neuzeit.

Veröffentlichungen (Auswahl):
  1. »Between the First and the Third Rome. The Cult of Marian Images in the Polish-Lithuanian Commonwealth«, in: Icône dans la pensée et dans l’art. Constitutions, contestations, réinventions de la notion d’image divine en contexte chrétien, hg. von K. Mitalaitė und A. Vasiliu, Turnhout 2017, S. 387-421.
  2. »A Miracle of Art and Therefore a Miraculous Image. A Neglected Aspect of the Reception of Michelangelo’s Vatican Pietà«, in Artibus et Historiae, Nr. 72 (2015), S. 175-198.
  3. »Typus Ecclesiae catholicae - trydencka wizja Kościoła, jej geneza i recepcja«, in Sztuka po Trydencie, hg. von Kazimierz Kuczman und Andrzej Witko, Krakau 2014, S. 23-38.
  4. »The Rise and Early Development of the Man of Sorrows in Central and Northern Europe«, in: New Perspectives on the Man of Sorrows, hg. von C. Puglisi und W. Barcham, Kalamazoo 2013, S. 48-76.
  5. »Der inszenierte Blick auf das Gnadenbild und zwei ›verletzten‹ Figuren in der Zisterzienserklosterkirche Grüssau im 18. Jahrhundert«, in: Sehen und Sakralität in der Vormoderne, hg. von David Ganz und Thomas Lentes, Berlin 2011, S. 200-217.
  6. Epoka nowożytna wobec średniowiecza: Pamiątki przeszłości, cudowne wizerunki, dzieła sztuki, Breslau: Wroclaw University Press, 2008.