Frank Nullmeier



Professor für Politikwissenschaft an der Universität Bremen

Aufenthalt am Forschungskolleg Humanwissenschaften:
Oktober 2011−März 2012

Forschungsthema am Forschungskolleg Humanwissenschaften:
»Legitimität und soziale Gerechtigkeit. Politische und ökonomische Ordnungen bewerten«

Projektbeschreibung:
Das Legitimitätsverständnis in Sozialwissenschaft und politischer Öffentlichkeit hat sich in den letzten Jahren enorm erweitert: es bezeichnet nun generell die begründete Bewertung von politischen und auch ökonomischen Vorgängen. Politiken, politische Ordnungen und ökonomische Aktivitäten werden nur dann als legitim angesehen, wenn es eine begründete positive Bewertung für sie gibt. Dieser verallgemeinerte Legitimitätsbegriff stellt für Demokratie- wie Gerechtigkeitstheorie eine Herausforderung dar. Der ältere, noch eng auf politische Herrschaftsordnungen, insbesondere den Staat, ausgerichtete Legitimitätsbegriff konzentrierte sich auf die Sicherstellung von Folgebereitschaft und konnte sich auf die Kriterien Demokratie und Volkssouveränität stützen. Diese Kriterien sind aber weder bruchlos auf neue internationale politische Institutionen anwendbar noch passen sie auf ökonomische Ordnungen. Es existiert aktuell keine in sich stimmige Legitimationskonzeption für das Gesamtgefüge aus politischen (unter Einbeziehung von Nationalstaaten und internationale Institutionen) und ökonomischen Ordnungen. Das Projekt will Veränderungen und neue Problemlagen im Legitimitätsverständnis nachzeichnen und die Frage zu klären suchen, wie eine integrierte normative Legitimitätstheorie für politische wie ökonomische Aktivitäten bzw. Ordnungen aussehen kann. (Frank Nullmeier)

Förderung des Aufenthaltes:
DFG-Kollegforschergruppe »Justitia Amplificata. Rethinking Justice − Applied and Global«

Wissenschaftliches Profil von Frank Nullmeier


Forschungsschwerpunkte:
Sozialstaatstheorie, Politische Theorie, Policy-Forschung

Veröffentlichungen (Auswahl):
  1. Frank Nullmeier, Dominika Biegon, Jennifer Gronau, Martin Nonhoff, Henning Schnidtke, Steffen Schneider: Prekäre Legitimitäten. Rechtfertigung von Herrschaft in der postnationalen Konstellation, Frankfurt a. Main/New York: Campus 2010.
  2. rnrn
  3. Steffen Schneider, Achim Hurrelmann, Zuzana Krell-Laluhová, Frank Nullmeier, Achim Wiesner: Democracy’s Deep Roots. Why the Nation State Remains Legitimate, Houndsmills, Basingstoke: Palgrave 2010.
  4. rnrn
  5. »Post-War Welfare State Development« (mit Franz-Xaver Kaufmann), in: The Oxford Handbook of the Welfare State, hg. von Francis C. Castles, Stephan Leibfried, Jane Lewis, Herbert Obinger und Christopher Pierson, Oxford: Oxford University Press 2010, S. 81-101.
  6. rnrn
  7. »The Implicit Normativity of Political Practices. Analyzing the Dynamics and Power Relations of Committee Decision-making« (mit Tanja Pritzlaff), in: Critical Policy Analysis 2009, Bd. 3 (3/4), S. 357-374.
  8. rnrn
  9. »Zur Politisierung internationaler Institutionen. Der Fall G8« (mit Martin Nonhoff, Jennifer Gronau, Steffen Schneider) in: Zeitschrift für internationale Beziehungen 2009, Bd. 16 (2), S. 237-267.
  10. rnrn
  11. Stephan Lessenich, Frank Nullmeier (Hg.): Deutschland – Eine gespaltene Gesellschaft, Frankfurt a. Main/New York: Campus 2006.
  12. rnrn
  13. Politische Theorie des Sozialstaates, Frankfurt a. Main/New York: Campus 2000.

Weitere akademische Tätigkeiten:
rnFrank Nullmeier ist seit Oktober 2002 Leiter der Abteilung »Theorie und Verfassung des Wohlfahrtsstaates« des Zentrums für Sozialpolitik an der Universität Bremen. Er ist Mitglied mehrerer wissenschaftlicher Vereinigungen, u.a. der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft (aktuell stellvertretender Vorsitzender), des European Social Policy Network und der Deutschen Gesellschaft für Soziologie. Darüber hinaus ist er Mitherausgeber der Buchreihen Theorie und Gesellschaft (Campus Verlag), Modernes Regieren (Nomos Verlag), Staatlichkeit im Wandel (Campus Verlag) und Bürgergesellschaft und Demokratie (VS-Verlag) sowie der Zeitschriften Critical Policy Studies, Leviathan und Zeitschrift für Sozialreform.