Das Forschungskolleg Humanwissenschaften: Veranstaltungen

Dienstag, 29.05.2018, 19:00 Uhr
Ort: Forschungskolleg Humanwissenschaften, Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg, Vortragsraum

Forschungskolleg Humanwissenschaften, Werner Reimers Stiftung, Villa Vigoni
Vortrag

Wolfgang Bunzel (Goethe-Universität)
»Fremde Herkunft – deutsche Heimat. Die Brentanos und Italien«

Der Vortrag ist Teil der Reihe »Vorreiter Europas? Deutsch-italienische Wirtschaftsbeziehungen in Neuzeit und Moderne«.

Zum Vortrag
Die Brentanos sind Zuwanderer aus der Gegend um den Comer See, die sich gegen Ende des 17. Jahrhunderts in Frankfurt niedergelassen haben. Während die ersten beiden Generationen der Familie zwischen Deutschland und Italien noch saisonal hin- und herpendelten und eheliche Beziehungen ausschließlich mit Partnern aus der Herkunftsregion eingingen, änderte sich dies in der dritten Generation mit Pietro Antonio Brentano grundlegend, der dauerhaft in Frankfurt sesshaft wurde und sich in zweiter Ehe mit einer Deutschen vermählte. Damit signalisierte er seiner sozialen Umwelt, dass er von nun an die Freie Reichsstadt als neue Heimat betrachtete. Für seine Kinder – darunter die berühmt gewordenen Dichtergeschwister Clemens und Bettine Brentano (später verheiratete von Arnim) – wurde dann auch die deutsche Sprache zur identitätsverbürgenden kulturellen Heimat. Wolfgang Bunzels Vortrag geht diesem rasant verlaufenden Assimilierungs- und Akkulturationsprozess nach und zeichnet dessen wichtigste Stationen nach. Er beleuchtet dabei auch die Rolle, die die Konfessionszugehörigkeit spielte. Zugleich geht er der Frage nach, inwieweit die Brentanos als Mittler zur Kultur ihrer einstigen Heimat Italien fungierten.

Über den Referenten

Prof. Dr. Wolfgang Bunzel leitet am Frankfurter Goethe-Haus/Freies Deutsches Hochstift die Abteilung Romantik-Forschung. In dieser Funktion koordiniert er die historisch-kritische Ausgabe sämtlicher Werke und Briefe Clemens Brentanos und leitet gemeinsam mit Prof. Dr. Anne Bohnenkamp das Projekt ›Chronotopos Romantik‹. Daneben lehrt er Neuere Deutsche Literaturwissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt a.M. und ist seit Mitte 2014 einer der beiden Geschäftsführer der Trägergesellschaft Brentano-Haus Oestrich-Winkel gGmbH. Sein Hauptforschungsgebiet ist die Literatur und Kultur der deutschen Romantik. Zu seinen wichtigsten Publikationen zählen die Monographien Poetik und Publikation. Goethes Veröffentlichungen in Musenalmanachen und literarischen Taschenbüchern (1997) und Das deutschsprachige Prosagedicht. Theorie und Geschichte einer Gattung der literarischen Moderne (2005) sowie die von ihm (mit-)herausgegebenen Sammelbände Romantik. Epoche – Autoren – Werke (2010) und Romantik an Rhein und Main. Eine Topographie (2014).

Über die Vortragsreihe
In dieser Vortragsreihe möchte das Forschungskolleg Humanwissenschaft der Goethe-Universität in Kooperation mit der Werner Reimers Stiftung sowie der Villa Vigoni – Deutsch-Italienisches Zentrum für Europäische Exzellenz Schlaglichter auf die lange Tradition deutsch-italienischer Verbindungen werfen und dabei besonders die Wirtschaftsbeziehungen in den Blick nehmen. Ein besonderer Fokus wird dabei auf Frankfurt und Mailand bzw. der Rhein-Main-Region und der Lombardei liegen, zwischen denen sich besonders viele Verknüpfungen zeigen. – Die Konzeption der Vortragsreihe fußt auf den Erkenntnissen einer wissenschaftlichen Tagung, die im Oktober 2017 in der Villa Vigoni stattfand und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Fondazione Cariplo gefördert wurde. – Den Tagungsbericht finden Sie hier.

Die Vortragsreihe wird von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main, der Frankfurter Stiftung für Deutsch-Italienische Studien, der Deutsch-Italienischen Vereinigung sowie der Rechtsanwaltskanzlei Dolce Lauda gefördert und steht unter der Schirmherrschaft des italienischen Generalkonsulats Frankfurt am Main.

Das gesamte Vortragsprogramm können Sie hier herunterladen.

Weitere Informationen: Dr. Ellinor Schweighöfer, Projektreferentin (Email: schweighoefer@forschungskolleg-humanwissenschaften.de)

Um vorherige Anmeldung wird gebeten unter info@forschungskolleg-humanwissenschaften.de.

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