Das Forschungskolleg Humanwissenschaften: Veranstaltungen

Donnerstag, 22.03.2018, 19:00 Uhr
Ort: Forschungskolleg Humanwissenschaften, Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg, Vortragsraum

Forschungskolleg Humanwissenschaften, Werner Reimers Stiftung, Villa Vigoni
Vortrag

Werner Plumpe (Goethe-Universität)
»Wirtschaftliche Umwälzungen: Deutschland und Italien in der Sattelzeit (1750–1870)«

Der Vortrag eröffnet die Reihe »Vorreiter Europas? Deutsch-italienische Wirtschaftsbeziehungen in Neuzeit und Moderne«.

Zum Vortrag
Werner Plumpe zeichnet in seinem Vortrag die langen Linien der wirtschaftlichen Umwälzungen in Deutschland und Italien in der Sattelzeit nach, bettet sie in einen breiteren Kontext ein und zeigt Besonderheiten auf. Er wird verdeutlichen, dass es sich in der Epoche der Sattelzeit bei beiden Gebieten um semantische nationale Räume, noch nicht jedoch um politische Gebilde handelte. Für die »Deutschen« fungierte »Italien« dennoch – oder gerade deshalb – oftmals als Wunschbild oder Kontrastfolie. Am interessantesten erscheint ein Vergleich der beiden Regionen daher nicht zuletzt hinsichtlich der ökonomi-schen Geistesgeschichte. Es gab ähnliche Reformansätze, die jedoch beiderseits mehr utopische als realistische Züge trugen. Insgesamt war Italien hinsichtlich der Semantik des ökonomischen Denkens wohl fortschrittlicher als Deutschland. Der Utilitarismus im Verbund mit Individualismus war in der italienischen Wirtschaftsliteratur stärker ausgeprägt, während in Deutschland ein obrigkeitsgebundener, »geordneter« Kameralismus dominierte. Entscheidend für die jeweilige Entwicklung waren letztendlich aber geo-graphische Lage und Rohstoffverfügbarkeit, die spezifische territoriale Institutionengestaltung sowie die praktischen Verhaltensweisen der Menschen. Die tatsächliche ökonomische Lage entwickelte sich im protoindustriellen Deutschland mit den nahen Nachbarn der weiter entwickelten Niederlande und Großbritanniens günstiger als in Italien.

Über den Redner
Prof. Dr. Werner Plumpe ist Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Zu seinen wichtigsten Publikationen zählen Carl Duisberg 1861-1935, Anatomie eines Industriellen (C. H. Beck, 2016), Wirtschaftskrisen. Geschichte und Gegenwart (C. H. Beck., 2010) und Die Große Depression – Die Weltwirtschaftskrise 1929-1939 (zusammen mit Jan Otmar Hesse und Roman Köster, Campus Verlag, 2014).
Werner Plumpe wurde 2014 der Ludwig-Erhard-Preis für Wirtschaftspublizistik verliehen.
2015/16 war er Programmbeauftragter des Historischen Kollegs im Forschungskolleg Humanwissenschaften für den Themenschwerpunkt »Varianten des Kapitalismus – der atlantische Raum und Asien«.

Über die Vortragsreihe
In dieser Vortragsreihe möchte das Forschungskolleg Humanwissenschaft der Goethe-Universität in Kooperation mit der Werner Reimers Stiftung sowie der Villa Vigoni – Deutsch-Italienisches Zentrum für Europäische Exzellenz Schlaglichter auf die lange Tradition deutsch-italienischer Verbindungen werfen und dabei besonders die Wirtschaftsbeziehungen in den Blick nehmen. Ein besonderer Fokus wird dabei auf Frankfurt und Mailand bzw. der Rhein-Main-Region und der Lombardei liegen, zwischen denen sich besonders viele Verknüpfungen zeigen. – Die Konzeption der Vortragsreihe fußt auf den Erkenntnissen einer wissenschaftlichen Tagung, die im Oktober 2017 in der Villa Vigoni stattfand und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Fondazione Cariplo gefördert wurde. – Den Tagungsbericht finden Sie hier.

Die Vortragsreihe wird von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main, der Frankfurter Stiftung für Deutsch-Italienische Studien, der Deutsch-Italienischen Vereinigung sowie der Rechtsanwaltskanzlei Dolce Lauda gefördert und steht unter der Schirmherrschaft des italienischen Generalkonsulats Frankfurt am Main.

Das gesamte Vortragsprogramm können Sie hier herunterladen.

Weitere Informationen: Dr. Ellinor Schweighöfer, Projektreferentin (Email: schweighoefer@forschungskolleg-humanwissenschaften.de)

Um vorherige Anmeldung wird gebeten unter info@forschungskolleg-humanwissenschaften.de.

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