Das Forschungskolleg Humanwissenschaften: Veranstaltungen

Mittwoch, 13.09.2017, 19:00 Uhr
Ort: Forschungskolleg Humanwissenschaften

Historisches Kolleg im Forschungskolleg Humanwissenschaften
Abendvortrag

Nicole Reinhardt (University of Durham)
» ›I confess‹ – oder wie die Welt das Beichten lernte«

Über den Vortrag
»Das Christentum ist im Wesentlichen die Religion der Beichte«, konstatierte der französische Philosoph Michel Foucault in einem seiner letzten Vorträge am Collège de France. In seinen Augen war sie eine der Grundlagen der Subjektivierung des abendländischen Menschen, aber auch der Machttechniken der Menschenführung. Es ist daher wenig überraschend, dass die Beichte immer kontrovers war: An ihr entzündete sich die Reformation, aber sie wurde auch Dreh- und Angel-punkt des Katholizismus als Weltreligion. Der Vortrag geht daher der Frage nach, wie die Beichte in der Gegenreformation neu erfunden wurde und wie Kleriker und Laien das Beichten lernten.

Über die Referentin
Prof. Dr. Nicole Reinhardt ist Associate Professor für Geschichte an der Universität von Durham (UK). Sie war zudem Professeur invité an der Universität Paris-Sorbonne und Elizabeth and J. Richardson Dilworth Fellow am Institute for Advanced Study in Princeton. Von Juni bis September 2017 ist sie Fellow des Historischen Kollegs im Forschungskolleg Humanwissenschaften. Nicole Reinhardts Forschungsschwerpunkte liegen auf der Interaktion von Religion und Politik sowie auf Normen, Ethik und Institutionen im Europa der Frühen Neuzeit. Veröffentlichungen (Auswahl): Voices of Conscience. Royal Confesors and Political Counsel in Seventeenth-Century Spain and France, Oxford: Oxford University Press, 2016; Der Beichtvater in der Frühen Neuzeit als Berater, Richter und Prophet, in: B. Oberndorfer und P. Waldmann (Hg.), Macht-faktor Religion. Formen religiöser Einflussnahme auf Politik und Gesellschaft, Köln/Weimar/Wien: Böhlau Verlag, 2012, 59–90.

Zum Themenjahr »Reformationen ‒ Kontinuitäten und Brüche«
Das Themenjahr widmet sich Spezialaspekten der reformatorischen Bewegung in Europa, die sich von Wittenberg ausgehend in ganz Europa verbreitete, aber je unterschiedliche regionale Wirkungen hatte. Deshalb auch ist die enge Verzahnung von Religion und Politik, die eine der wesentlichen Folgewirkungen der Reformation war, in allen Teilen Europas unterschiedlich dicht vollzogen worden. Das ursprünglich geistliche Reformanliegen wandelte sich in dieser Verzahnung zu einem theologiepolitischen; in der Forschung ist deshalb auch oft von einer »politischen Theologie« gesprochen worden. Diese Interpretation soll in einigen öffentlichen Vorträgen thematisiert werden, ist sie doch eine der viel diskutierten und kritisierten »unbeabsichtigten Nebenfolgen« des reformatorischen Aufbruchs. Die daraus abgeleiteten Deutungen u.a. vom stets obrigkeitsgläubigen Lutheraner und dem stets demokratieverbundenen Calvinisten sollen in ihrer Entstehung erklärt werden. Das Ziel des Themenjahrs besteht nicht zuletzt darin, durch die Freilegung solcher zeitgebundener Deutungsmuster den Kern des reformatorischen Anliegens auch für die Gegenwart wieder besser verständlich zu machen.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Kontakt und Information
Ellinor Schweighöfer, Wissenschaftliche Projektreferentin des Historischen Kollegs (schweighoefer@forschungskolleg-humanwissenschaften.de; Tel.: 06172-13977-14)

Um Anmeldung wird gebeten:
info@forschungskolleg-humanwissenschaften.de; Tel.: 06172-13977-0

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