Das Forschungskolleg Humanwissenschaften: Veranstaltungen

Donnerstag, 24.07.2014, 19:00 Uhr
Vortragsraum im Forschungskolleg Humanwissenschaften

Historisches Kolleg im Forschungskolleg Humanwissenschaften
Öffentlicher Abendvortrag

Till van Rahden (Université de Montréal)
»Eine Welt ohne Familie. Der Kinderladen als ein demokratisches Heilsversprechen«

Zum Vortrag
»1968« wird in der gegenwärtigen Erinnerung scharf von den 1950er Jahren geschieden: Radikal wandten sich die Studenten- und Bürgerrechtsbewegungen gegen die Dekade des »motorisierten Biedermeier«. Der Vortrag rückt die beiden Dekaden wieder näher zusammen, indem er die Gemeinsamkeiten in den Blick nimmt. So herrschte vor und nach »1968« ein breiter Konsens darüber, dass die Frage, wie Kinder erzogen werden, von zentraler Bedeutung für den Auf- und Umbau der Demokratie ist. Dies vor Augen wird deutlich, worin die Zäsur von »1968« bestand. Bis Mitte der 1960er Jahre galt die Familie als der Ort, an dem Väter und Mütter, Töchter und Söhne eine demokratische Lebensform einüben sollten. Seit 1968 galt die Familie jedoch als ein Hort der antidemokratischen Repression. Vor diesem Hintergrund wird die psychische Energie verständlich, mit der die »68er« nach neuen Formen der Erziehung jenseits der Familie suchten, seien es Kinderläden, Kommunen oder Wohngemeinschaften.

Über den Referenten
Till van Rahden ist Inhaber des Canada Research Chair in German and European Studies an der Université de Montréal, Kanada. Er forscht über neuere europäische und deutsche Geschichte, jüdische Geschichte, Kulturgeschichte, Geschichte der Demokratie sowie Geschichte von moralischen Leidenschaften und Konflikten. Während seines viermonatigen Aufenthalts in Bad Homburg arbeitet er über »Formen, Stil und Geselligkeit: Demokratie als Lebensform«. Professor van Rahden folgt der Einladung des Historischen Kollegs im Forschungskolleg Humanwissenschaften.
Sein Forschungsaufenthalt wird gefördert durch die Dagmar-Westberg-Stiftung und die Stadt Bad Homburg.

Begrüßung
Professor Dr. Klaus Günther lehrt Rechtstheorie, Strafrecht und Strafprozessrecht an der Goethe-Universität. Er ist Mitglied des Direktoriums am Forschungskolleg Humanwissenschaften und Co-Sprecher des Exzellenzclusters »Die Herausbildung normativer Ordnungen« an der Goethe-Universität.

Um Anmeldung wird gebeten: info@forschungskolleg-humanwissenschaften.de; Tel: 06172-139770.

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